Schäfer in der Wetterau: Peter Link
Schäfer in der Wetterau: Peter Link
Mehr als vier Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren in den Erhalt der Wetterauer Trockeninsel fließen. Diese ist nicht etwa ein vom Meer umtostes Eiland, sondern die Bezeichnung ganz besonderer Flächen - nämlich Magerrasen, die für die Landwirtschaft eher uninteressant sind, weil sie schwer oder gar nicht zu bewirtschaften sind und sich eigentlich nur als Weideland für Schafe und Ziegen eignen. Dabei bieten sie vielen seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum.
Peter Link ist Schäfer in vierter Generation
Weil solche Flächen zunehmend zu verbuschen und damit verloren zu gehen drohen, andererseits aber auch die wirtschaftliche Situation vieler Schäferbetriebe ungünstig ist, braucht es zum Erhalt solcher Flächen öffentlicher Unterstützung. Dies geschieht durch das LIFE-Projekt "Hutungen in der Wetterau", das aus Mitteln der EU mit zwei Millionen Euro und mit der gleichen Summe vom Land Hessen und mit kleineren Anteilen vom Wetteraukreis, den Städten Nidda und Hungen sowie mit Unterstützung von OVAG und Sparkassenstiftung Oberhessen unterstützt wird. "Ich bin froh, dass wir dieses Projekt umsetzen können. Damit stärken wie die Wetterau in touristischer Sicht. Gemeinsamt mit den Schäfern trägt es dazu bei, besonders wertvolle Naturräume zu erhalten", freut sich der Wetterauer Landrat Joachim Arnold.
In einer kleinen Serie stellen wir drei typische Schäfer in der Wetterau vor.
Peter Link ist so etwas wie der Dorfschäfer von Eichelsdorf
Peter Link ist Schäfer mit Tradition
Peter Link ist ein Original in Nidda - Eichelsdorf. Der 55-Jährige ist das, was man früher wohl einen Dorfschäfer genannt hätte. Die haben in früheren Zeiten die Schafe der Dorfbewohner auf den gemeindeeigenen Grundstücken gehütet, sie nachts auf den verschiedenen Feldern zur "Dungablage" eingepfercht und gegen ein kleines Entgelt die Betreuung der Tiere von anderen Bauern übernommen. Im Winter kamen dann die Schafe in die Ställe der jeweiligen Eigentümer. Heute sind fast alle 400 Mutterschafe im Eigentum von Peter Link. Im Gegensatz zu vielen anderen Schäfern aber hütet er seine Tiere. Das heißt, sie werden tagsüber nicht eingepfercht, sondern von Weide zu Weide getrieben.
Peter Link ist ein Schäfer in Tradition. Er übt sein Handwerk in der vierten Generation aus, seit 14 Jahren auch hauptberuflich. Vorher hat er noch nebenberuflich als Metzger gearbeitet. Als dies nicht mehr parallel möglich war, hat er sich für den Schäferberuf entschieden und er bereut es bis heute nicht.
Arbeiten bis zum späten Abend
Sehr früh aufstehen muss man als Schäfer nicht, dafür ist man abends länger unterwegs. Vor zehn Uhr muss Peter Link nicht zu seinen Schafen. Für die ist es ohnehin besser, wenn sie das vom Tau getrocknete Gras fressen. Vorher sind sie im Nachtpferch oder im Stall. Die Tiere werden ausgekoppelt und auf die Weide getrieben. Mit dabei ist Fritz, der 16 Jahre alte Hütehund. Er versteht sein Handwerk bestens und ist so eine Art Lehrer für die anderen Hunde, die Peter Link für sein Handwerk braucht.
Während der Hütezeit sind allerlei Aufgaben für Peter Link auszuüben. Ob kleinere Verletzungen zu versorgen sind, Dornen zu ziehen oder die Klauen zu pflegen, Arbeit gibt es immer genug und wenn es die Ausbildung seiner Hunde ist. Die altdeutschen Hirtenhunde bildet Peter Link selbst aus. "Manches lernen sie zwar von den älteren Hunden, aber vieles muss man ihnen auch selbst beibringen", weiß der Schäfer. Wie gut das funktioniert, beweist Senior Fritz nach wenigen Pfiffen. Konflikte mit anderen Hundebesitzern gibt es zum Glück nur selten. "Die meisten Hundebesitzer sind vernünftig und leinen ihre Hunde an, wenn sie in die Nähe von Schafen kommen", bestätigt Peter Link.
Zwischen 14 und 15 Uhr bringt er die Schafe wieder in die Koppel, um seinen Arbeiten als Landwirt nachzugehen. Spätestens um 17Uhr ist er dann wieder bei den Schafen, dann bis 21 Uhr. Beweidet wird gepachtetes Land oder auch städtisches Land, altes Weideland, in der Regel Ödland oder Geringstland, das, was früher die Allmende-Grundstücke in den Dörfern waren und von allen im Ort genutzt wurden.
Heute dient die Beweidung der Erhaltung wertvoller Trockenrasenflächen. "Die Stellen, wo meine Schafe weiden, sind oftmals nicht landwirtschaftlich nutzbar, vor allem nicht mit Maschineneinsatz." "Der muss teilweise aber vorher noch erbracht werden", ergänzt Christian Sperling, der in der Kreisverwaltung die Rolle des Regionalmanagers für das LIFE-Projekt übernommen hat. "Viele der Flächen sind total verbuscht und müssen mit Freischneider und Motorsäge entbuscht werden. Die Schafe sorgen dann dafür, dass diese Flächen kurz bleiben und sich besondere Pflanzenarten hier wieder ihren Lebensraum zurückerobern können."
Durch die Hütehaltung kann Peter Link mit weniger Fläche auskommen als bei der Koppelhaltung. "Das liegt einfach daran, dass die Schafe das Gras nicht fressen wollen, wo der Dung liegt. Deshalb ist gerade die Weidehaltung besonders intensiv, weil die Fläche kurz gefressen wird und die Fläche gleichzeitig nicht überdüngt wird." Den Schafen bekommt das gut. Nach vier bis fünf Monaten erreichen sie schon ihr Schlachtgewicht von 40 Kilogramm. Der Verkauf von Lammfleisch ist dann auch die wichtigste Einnahmequelle von Peter Link. Zwei Euro gibt es für das Kilo Lebendgewicht eines Schafes. Link erinnert sich noch an Erzählungen aus seiner Kindheit: "Während des Koreakrieges gab es für das Kilo Wolle fünf D-Mark. Das war damals viel Geld. Heute ist Wolle nur schwer zu vermarkten, Baumwolle ist viel billiger.
Merino-Landschafe
Peter Link übt einen Beruf aus, der (noch) ohne Computer zu bewältigen ist. Das kann aber auch bald der Vergangenheit angehören. Noch in diesem Jahr bekommen die Tiere Ohrmarken mit Chip, damit wird deren Lebenslauf bis zum Schlachthof verfolgbar.
Peter Link hat sich bei seinen 400 Schafen auf das Merino-Landschaf spezialisiert. Die ursprünglichen Merino-Schafe kamen aus Spanien, hatten ein weiches, seidiges Fell, das für die hiesigen Breiten gänzlich ungeeignet war, weil es Feuchtigkeit aufsaugte. Eine spezielle Züchtung machte das Merino-Landschaf auch für hiesige Breiten widerstandsfest. Heute sind die robusten Tiere anspruchslos und liefern doch gutes Fleisch und hochwertige Wolle.
Zubereitung ist das A und O
Der Statistik zufolge isst jeder Deutsche mehr als 80 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Lammfleisch kommt aber nur selten auf die Teller. 1,7 Kilogramm zählt die Statistik, weniger als etwa bei Kaninchen. Lammfleisch hat nicht überall ein gutes Image und das ganz zu Unrecht. "Das Fleisch, das wir hier produzieren, hat eine hervorragende Qualität und lässt sich jederzeit mit dem Fleisch, das um die halbe Welt, aus Neuseeland, gereist ist, vergleichen." Dem stimmt auch Landrat Joachim Arnold rückhaltlos zu. "Gesunde Produkte aus heimischer landwirtschaftlicher Erzeugung sind gut für unsere regionale Gastronomie und die Stärkung der Schäferbetriebe."
Gleichzeitig lobte er das LIFE-Projekt als erfolgreiches Naturschutzprojekt, das dazu beiträgt, das Heimatgefühl zu stärken und die Zusammenarbeit in und die Identifikation mit der Region zu unterstützen. Nicht zuletzt verfolgt der Kreis mit dem Projekt auch ein Klimaschutzziel. "Eine regionale Vermarktung führt zu kürzeren Wegen und das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Tiere", so abschließend der Wetterauer Landrat.
Kartoffel-Lamm-Ragout
Zutaten für 6 Personen:
- 800 g Lammfleisch aus der Keule (ohne Knochen)
- 4 Eßl. Olivenöl
- 3 Knoblauchzehen
- 2 Nelken
- 3 Pimentkörner
- 375 ml Trockenen Sherry
(fino, ersatzweise Hühnerbrühe) - frisch gemahlener Pfeffer
- Salz
- 1,20 kg vorwiegend festkochende Kartoffeln
- 200 g Schmand
- ½ Bio-Zitrone
- 1 Eßl. Honig
- ½ Bund Salbei
- 50 g abgezogene Mandeln
Zubereitung:
Fleisch würfeln. In drei Esslöffel heißem Öl kräftig anbraten. Knoblauchwürfel zugeben und kurz mitbraten. Nelken, Piment und Sherry dazugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen und zehn Minuten im geschlossenen Topf schmoren. Inzwischen Kartoffeln schälen, halbieren und zum Fleisch geben. Etwa 25 Minuten weiterschmoren. Den Schmand unterrühren und mit etwas abgeriebener Zitronenschale, Salz, Pfeffer und Honig abschmecken. Salbeiblättchen und längs halbierte Mandeln im restlichen Öl leicht rösten und unter das Ragout heben.




