Rentierflechten und Golddisteln am Hausberghang

Rentierflechten und Golddisteln am Hausberghang

Rentierflechten und Golddisteln am Hausberghang


Die Mager- und Trockenrasen unterhalb des Butzbacher Hausberghangs machten ihrem Namen alle Ehre. Bei der ersten von drei Exkursionen, zu denen Landrat Joachim Arnold und der Naturschutzfonds Wetterau in diesem Jahr einlädt, hätte es – was das Wetter betraf - trockener und wärmer kaum zugehen können. Bei schönstem Sonnenschein konnten die Teilnehmer die Streuobstwiesen, Heiden und Hutungen nördlich von Hoch-Weisel erkunden.


Landrat mit Teilnehmern der Exkursion

Landrat und Geschäftsführer Naturschutzfonds Dr Olberts mit Teilnehmern der Exkursion

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Naturschutzfonds, Landrat Joachim Arnold, ging es unter der Führung von Geschäftsführer Dr. Burkhard Olberts am Waldrand entlang, von wo man einen wunderschönen Blick über die gesamte nördliche Wetterau genießen konnte.  

Überreste einer ehemals ausgedehnten Heidelandschaft  

Wie Olberts erklärte, sind Grenzlinien, an denen verschiedene Lebensraumtypen aufeinander treffen immer besonders artenreich. Dies betrifft in besonderem Maße auch den am Hausberghang anzutreffenden Übergangsbereich vom Kiefernwald über einen schmalen Magerrasenstreifen hin zu ausgedehnten Streuobstwiesen. Die hier anzutreffenden Wacholderbestände, die sich bis tief in den Wald erstrecken und zu den größten in ganz Mittelhessen gehören, sind als Überreste einer ehemals ausgedehnten Heidelandschaft anzusehen. Auch das hier und da noch vorhanden Heidekraut und das Vorkommen von Rentierflechten weisen auf den einstigen Heide-Charakter des Gebietes hin.

Auf alten historischen Karten ist das gesamte heute bewaldete Gebiet noch als offenes Land dargestellt, das vermutlich als gemeinschaftliche Vieh- und Schafweide genutzt wurde. Eine geschlossene Bewaldung setzte erst mit der Aufgabe dieser Form der Bewirtschaftung ein.

Bis heute gehalten hat sich in Hoch-Weisel eine Schäferei, der es maßgeblich zu verdanken ist, dass es überhaupt noch Heide-Überbleibsel gibt. Typische Pflanzenarten wie Schafrapunzel oder Schafgarbe lassen schon namentlich erkennen, dass sie durch Schafbeweidung gefördert werden. Golddistel, Thymian, Wilder Majoran, Dornige Hauhechel und verschiedene Arten von Wildrosen verdanken ebenfalls ihre Existenz der Tatsache, dass sie von Schafen wegen ihrer Dornen und Stacheln oder auch ihres intensiven Geschmacks gemieden werden.  

Allerdings reicht die Beweidung in der derzeit praktizierten Form längst nicht aus, um die vorhandenen Mager- und Trockenrasen zu erhalten, geschweige denn qualitativ und flächenmäßig auszuweiten. Aus diesem Grunde sind in den letzten Jahren verschiedentlich "einschneidende" Maßnahmen zur Eindämmung des zunehmenden Gehölzbewuchses ergriffen worden. Ausgehend von verschiedenen Entbuschungsaktionen der örtlichen BUND-Gruppe, sind sowohl der Naturschutzfonds Wetterau als auch die Stadt Butzbach unter Beteiligung der Forst- Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden mehrfach tätig geworden, um den Waldrand aufzulichten und der empfindlichen Bodenvegetation – mit sichtbarem Erfolg - mehr Raum zu schaffen.  

Herausragende Projektflächen  

Dies war auch die Voraussetzung dafür, dass das Gebiet in die Maßnahmenplanung für ein im Januar in der Wetterau angelaufenes Großprojekt einbezogen wurde.

Im Rahmen des von der EU bewilligten LIFE-Projektes zum Schutz der Wetterauer Hutungen werden verschiedene Maßnahmen durchgeführt, die diese äußerst artenreichen und vielfältigen Lebensräume erhalten sollen. Der Hausberghang, der auch Teil des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000 ist, gehört zu den herausragenden Projektflächen, die in den nächsten fünf Jahren eine besondere Pflege und Betreuung erfahren sollen. Erste Maßnahmen, zu denen auch die Pflege der besonders wertvollen Streuobstbereiche gehören, sind bereits angelaufen, weitere sollen in den nächsten Jahren folgen.

Landrat Joachim Arnold zeigte sich darüber besonders erfreut, denn immerhin hat das auf fünf Jahre angelegte Projekt, an dem neben dem Land Hessen u. a. auch der Wetteraukreis als Projektpartner beteiligt ist, einen finanziellen Umfang von über vier Millionen Euro, die in der Region umgesetzt werden.  

Keine wirklich durchgreifende Lösung konnten die Exkursionsteilnehmer für die Entwicklung des ausgedehnten Streuobstgebiets ausmachen. Die erforderliche Pflege und Ergänzung des Obstbaumbestands inklusive der notwendigen Nutzung des Grünlands erfordere, wie Dr. Burkhard Olberts erläuterte, eigentlich ein umfassendes Nutzungs- und Pflegekonzept für das Gesamtgebiet. Dies sei allerdings wegen der klein- und kleinstteilig zersplitterten Eigentumsverhältnisse und der Vielzahl von Eigentümern ohne ein Flurneuordnungsverfahren kaum umsetzbar.

Mit dieser Problematik habe allerdings nicht nur Hoch-Weisel zu kämpfen. In nahezu allen größeren Streuobstgebieten seien die Verhältnisse ähnlich gelagert. Die Schönheit und der ökologische Wert der typischen Wetterauer Obstwiesen lohne es aber, auch weiterhin intensiv nach Lösungen zu suchen.  

Die Exkursion endete mit einem Blick auf den ehemaligen Hoch-Weiseler Weinberg, der noch heute den Flurnamen "Wingerteberg" trägt. Landrat Arnold dankte den Teilnehmern für ihr Interesse und die angeregten Diskussionen und äußerte die Hoffnung, dass die landschaftlichen Schönheiten der Wetterau in Zukunft ein breiteres Interesse sowohl innerhalb als auch außerhalb des Wetteraukreises finden mögen.


Erstellt am: 2010-07-13