Erziehungsberatung ist ein unverzichtbares Instrument zur Stärkung der Familie

Erziehungsberatung ist ein unverzichtbares Instrument zur Stärkung der Familie

Erziehungsberatung ist ein unverzichtbares Instrument zur Stärkung der Familie


Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Wetteraukreises leistet seit rund vier Jahrzehnten professionelle Beratungsarbeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter decken ein breites Themenspektrum ab, ihr Rat ist gesucht und geschätzt. Rund 700 neue Anmeldungen zur Beratung gab es allein im vergangenen Jahr. Die Beratungsstelle ist Teil des Jugendamtes, arbeitet jedoch eigenständig.  

Gründe, die Beratungsstelle aufzusuchen gibt es viele. Da ist zum Beispiel die Mutter, deren Sohn wegen seines auffälligen Verhaltens bei der Frühförderstelle war, die aber keine Entwicklungsverzögerung feststellte. Das Kind ist aggressiv, macht im Kindergarten nicht mit, zieht sich zurück, weint schnell. Auch zu Hause hat es immer Ärger mit den Geschwistern, nässt in der letzten Zeit immer häufiger ins Bett ein. Oder das 16jährige Mädchen, bei dem zu Hause nichts mehr klappt. Mit den Eltern gibt es Streit, nur ihr Freund versteht sie. Früher hat sie sich geritzt, wenn es mit der Mutter und deren Lebensgefährten Stress gab.  

Die Themenpalette der Beratungsstelle ist breit: Erziehungsunsicherheiten, emotionale Probleme, verzögerte Entwicklungen, auffälliges Sozialverhalten, Sprachschwierigkeiten, Schwierigkeiten mit Leistungsanforderungen, Trennung, Scheidung und Verlust, schwierige Familiensituationen. Neue Anforderungen sind das Fortbildungsmodul zu Paragraf 8a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Kindeswohlgefährdung) für Tagespflegepersonen, die Beratung von hochstrittigen Eltern, die von den Familiengerichten an die Beratungsstelle verwiesen werden.  

"Erziehungsberatungsstellen erfüllen einen gesetzlichen Auftrag", erklärt Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith. Sie unterstützen Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei individuellen familienbezogenen Problemen und deren zugrunde liegenden Faktoren, so der Dezernent. Sie leisten Hilfestellung bei der Lösung von Erziehungsfragen, bei Trennung und Scheidung. Wo nötig, wirken Fachkräfte verschiedener Einrichtungen zusammen, um den einzelnen Fall von allen Seiten beleuchten zu können und nicht nur eine Seite im Blick zu haben. "Dabei ist Vertraulichkeit die selbstverständliche Grundlage der kostenlosen Beratung", versichert Veith.  

Veith: Hier arbeiten Profis  

Ein weites Feld, das sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 5,6 Vollzeitstellen teilen. Ebenso breit gefächert ist ihre fachliche Profession, die von Psychologie und Sozialarbeit, über Sozial- und Heilpädagogik bis zur Soziologie reicht. Hinzu kommen weitere Qualifikationen in Personenzentrierter Psychotherapie, Integrativer Kunsttherapie, Systemischer Familientherapie, Psychoanalytischer Pädagogik, Verhaltenstherapie, NLP und Gruppentherapie. Im Einzelfall werden zur diagnostischen Abklärung auch verschiedene Tests genutzt.  

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten und therapieren Einzelpersonen und Familien, sie klären Diagnosen ab, leisten Prävention und beraten Fachkräfte. Freilich gebe es auch Grenzen der Beratung, schränkt Jugenddezernent Veith ein. Diese sind zum Beispiel dann erreicht, wenn massive psychiatrische Krankheitsbilder, Sucht oder Suizidalität vorliegen. Auch bei Problemen mit Sexualität oder Schwangerschaft wird an spezialisierte Einrichtungen und Beratungsstellen verwiesen. Übrigens dürfen Kinder und Jugendliche auch ohne Kenntnis der Eltern beraten werden. Dann nämlich, wenn die Beratung aufgrund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und der Beratungszweck vereitelt würde, wenn die Eltern davon wüssten. 

Bevor das Kind in den Brunnen fällt  

"Prävention wird großgeschrieben, denn eine Beratung im Vorfeld ist allemal besser als teure Maßnahmen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist", darauf weist Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith hin. Zur Prävention gehören Gruppen für Jungen, wo die Förderung von Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz im Fokus steht. Es gibt Gruppen für Kinder von psychisch kranken Eltern und für Trennungs- und Scheidungskinder. In Zusammenarbeit mit den Schulen bietet die Beratungsstelle für Jungen ein Präventionsprojekt zum Thema "Sexuelle Gewalt" an. Die Gruppen setzen sich zusammen aus der Klientel der Beratungsstelle oder aufgrund der Empfehlung von   Psychiatrie, dem sozialpsychiatrischen und dem Allgemeinen Sozialen Dienst. Fachkräfte von Kindertageseinrichtungen nutzen die Beratungsstelle, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so genannte "Insoweit erfahrene Fachkräfte" sind, zur Beratung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Sowohl Kindertageseinrichtungen wie auch Schulen können sie zudem zur Fallreflexion im Team hinzuziehen. Schließlich halten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle auf Anfrage auch Vorträge, zum Beispiel zum Thema Pubertät und zur Bedeutung der frühen Beziehung und Bindung zwischen Eltern und Kind und stellen die Einrichtung gerne bei Elternabenden oder ähnlichen Veranstaltungen vor.  

Veith: Erziehungsberatung wertvoller denn je 

"Die Probleme, mit denen Eltern in die Beratungsstelle kommen, sind komplexer geworden", sagt Veith. Meistens beschreiben Eltern eine Vielzahl von Symptomen und leben mit multiplen Schwierigkeiten: Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit oder drohender Jobverlust, finanzielle Probleme, Wohnprobleme. "Es scheint, dass klassische Erziehungsberatung nicht mehr ausreicht und es weitergehender Hilfen oder häufigeren Beratungskontakten bedarf", so der Jugenddezernent. Auch vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Beratungsstelle eingebettet ist in ein Netz verschiedener Stellen, wo sich am jeweiligen konkreten Einzelfall eine intensive Zusammenarbeit entwickelt. Dazu zählen unter anderem Frühförderstelle, Wildwasser Wetterau, Kinder- und Jugendpsychiater, Kindergärten und Schulen, aber auch der schulpsychologische Dienst und der Allgemeine Soziale Dienst.


Erstellt am: 2010-07-06