Der WetterAusflug: Wo der Stein des Keltenfürsten (vermutlich) herkommt
Der WetterAusflug: Wo der Stein des Keltenfürsten (vermutlich) herkommt
Unsere heutige Wanderung umfasst die beiden Ortenberger Stadtteile Bergheim und Bleichenbach. Ortenberg ist von der Natur gesegnet, genauer genommen von der Geologie. Seit langem schon werden hier wertvolle Steine, insbesondere Basalt, aber in manchen Ortsteilen auch Buntsandstein gebrochen. Freilich nicht nur zur Freude der Menschen in Ortenberg, denn der Schwerlastverkehr hat für viele das Maß des Erträglichen schon überschritten. Eine neue Zufahrtsstraße zu Ortenbergs größtem Steinbruch in Bergheim schafft Entlastung, hat aber auch zu einem massiven Eingriff in die Natur geführt. Geologisch Interessierte freilich haben hier wiederum ihre Freude. Der Aufschluss des Sandsteins ist für sie ein besonderes Bild.
Bildergalerie
Der Wanderweg auf der Karte
Unsere Wanderung beginnen wir am Sportplatz in Bleichenbach. Hier ist ein großer Parkplatz, wo wir unser Auto abstellen können. Wir laufen auf der Straße in Richtung Bergheim rund 200 Meter und verlassen den Weg nach links und überqueren nach kurzem den Bleichenbach. Der Betonweg wechselt zu einem Wiesenweg, wir gehen geradeaus bergan. 100 Meter nach der Brücke erreichen wir einen asphaltierten Radweg, der uns nach rechts in Richtung Bergheim führen wird. Dem Radweg folgen wir gut 2 ½ Kilometer. Zwischendurch kommen wir an eine große Wiese, an der wir innehalten und einfach den vielen Stimmen der Natur lauschen.
Nach ein paar Hundert Metern erreichen wir die Straße, die Ortenberg mit Bergheim verbindet. Wir folgen dem Radweg nach links und nach wenigen Metern wieder nach rechts und gehen auf dem Schotterweg in Richtung Schützenhaus. 300 Meter nach dem Vereinshaus sehen wir rechts die Bergheimer Heide. Ein wertvolles Biotop, das vermutlich im Laufe der Jahrhunderte durch Beweidung mit Schafen oder auch mit Ziegen entstanden ist. Hier wachsen Tausendgüldenkraut, Golddistel, Wacholderbüsche und andere seltene Pflanzen.
Am Waldrand können wir schon einen ersten Blick auf den großen Steinbruch von Bergheim werfen. Für Besucher ist er leider gesperrt. Wir gehen auf unserem Weg weiter bis wir zu einem asphaltierten Weg kommen, den wir nach rechts gehen. Vor dem Waldrand machen wir einen kleinen Abstecher nach links. Nach ungefähr 100 Metern (hinter einem Hochstand) wenden wir uns nach rechts zwischen den Bäumen und kommen nach wenigen Metern an eine starke Abbruchkante. Hier wurde bis in die 60er Jahre hinein Kaolin abgebaut. Kaolin oder auch Porzellanerde ist ein feines, eisenfreies, weißes Gestein, das als Hauptbestandteil Kaolinit, ein Verwitterungsprodukt des Feldspats, enthält. Kaolin wird für die Herstellung von Papier und Porzellan, für medizinisches Puder genutzt. Wenn es qualitativ nicht so hochwertig ist wie das Kaolin hier in Bergheim, fand es als Beimischung für den Hausverputz und vor allem auch als Formsand in der Eisengießerei von Hirzenhain Verwendung.
Wir gehen auf dem Asphaltweg ein kleines Stückchen weiter und nehmen die erste Möglichkeit nach links, wo wir auf dem Wiesenweg in Richtung Bergheim wandern. Dabei genießen wir das herrliche Urlaubspanorama. Der Wald wird gegen Bergheim lichter und wenn wir an die gepflasterte Straße kommen, gehen wir nach links. In Bergheim können wir uns überzeugen, welche Gesteine hier aus der Erde geholt werden. Allenthalben sind schöne Buntsandsteine in verschiedenen Farben verbaut, genauso wie der vielfältig nutzbare Basalt.
Wir überqueren die Hauptstraße und passieren in der Wiesenstraße den Bleichenbach. Wir folgen dem Weg mit leichten Biegungen in Richtung Waldrand. Dort halten wir uns links und kommen bald an die neue Straße zum Bergheimer Steinbruch. Vorher überqueren wir einen geschotterten Platz, wo man vielerlei Funde machen kann. Steine mit Gasblasen, Eisenoxid und Montmorillonit, Buntsandstein und Mangan (von links). Wir überqueren jetzt die Straße und gehen nach 300 Metern nach rechts. Rundum ist ein wunderschöner Buchenwald, ganz typisch für die Region. In historischen Quellen aus dem 8. Jahrhundert wird die Region auch als Buchenland (Buchonia) bezeichnet.
Wir gehen unseren Weg weiter und an der ersten Kreuzung links. Wir befinden uns jetzt auf der historischen "Bettenstraße", die Schätzungen zufolge seit 3000 bis 4000 Jahren begangen wird. Sie führte einst von Frankfurt über Fulda nach Thüringen. Diese "Altstraße" weist an ihren Rändern noch eine ganze Reihe von Hügelgräbern auf. Wundern kann das den Fachmann nicht. Denn anders als in den dicht besiedelten Gebieten haben sich hier die Gräber besser erhalten. Die Menschen in früheren Zeiten sind oft in großen Gruppen gewandert, nicht zuletzt aus Angst vor Straßenräubern. Wenn man mit Kind und Kegel unterwegs war, dann konnte es auch passieren, dass unterwegs ein Angehöriger starb. Er wurde entsprechend den religiösen Riten in einem Hügelgrab am Wegesrand bestattet.
An manchen Stellen kann man hier noch ganz hervorragend die Hohlwege vergangener Jahrhunderte erkennen. Die historischen Wege waren nicht wie heute enge Fahrstraßen, sondern breite Trassen, die baumfrei gehalten wurden (damit sich dort keine Räuber verstecken konnten). Die Fahrwege wurden immer wieder gewechselt, wenn sie etwa zu sehr eingefahren waren. Wir erreichen einen Aussichtspunkt, von wo aus wir direkt auf den Glauberg schauen. Weiter links sehen wir Aulendiebach und am Horizont die Stadt Büdingen.
Wir verlassen jetzt den Wald und gehen nach rechts am Waldrand entlang in Richtung Bleichenbach. Wir erreichen den Ortenberger Stadtteil im Neubaugebiet. Bevor wir uns hier nach links wenden, machen wir aber noch einen kleinen Abstecher geradeaus. Nach 150 Metern am Waldrand wenden wir uns nach rechts. Der talartige Einschnitt ist durch den Abbau von Sandstein entstanden. Nach insgesamt 500 Metern kommen wir an das Ende des Steinbruchs. Aus diesem Stein hier wurde vermutlich die Skulptur des Keltenfürsten vom Glauberg gearbeitet. Wir sollten nicht zu nahe an die Felswand gehen, denn immer wieder geschieht es, dass große Blöcke sich von der Wand lösen. Zurück zur Waldstraße gehen wir nach rechts bis zur Hauptstraße, wo wir abermals nach rechts gehen und nach wenigen Metern an unserem Parkplatz zurückkehren.
Weglänge: 12,7 Kilometer, 270 Höhenmeter, überwiegend unbefestigte Wald- und Wiesenwege
Reine Gehzeit: Drei Stunden
Wandern mit Landrat Arnold
Wer diese Wanderung gerne mit anderen Menschen und unter fachkundiger Leitung unternehmen möchte, der hat dazu am Sonntag, dem 4. Juli 2010 ab 14:00 Uhr Gelegenheit.
Anders als oben beschrieben, startet die Wanderung aber nicht in Bleichenbach, sondern am Schützenhaus bei Bergheim. Dort findet zeitgleich ein Fest statt, so dass nach der Wanderung auch Gelegenheit zur Stärkung möglich ist. Geführt wird die Wanderung von der Historikerin Dr. Angela Metzner, die wissenschaftlich zur Geschichte der Region gearbeitet hat.




