Tierseuchenbericht 2009: Pflichtimpfung gegen Blauzungenkrankheit gekippt
Tierseuchenbericht 2009: Pflichtimpfung gegen Blauzungenkrankheit gekippt
Kreisbeigeordneter Ottmar Lich und der Leiter der Veterinärbehörde, Dr. Rudolf Müller, haben den Tierseuchenbericht 2009 vorgelegt. Darin ziehen sie eine positive Bilanz: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben pragmatisch und hoch engagiert gearbeitet. Die stetige Gefahr des Ausbruchs hoch ansteckender Tierseuchen mit möglicherweise kreisübergreifenden Folgen und enormen volkswirtschaftlichen Schäden haben sie erfolgreich bewältigt."
Eine kleine Familie auf der Weide: Gallowayrinder.
Blauzungenkrankheit
Die Blauzungenkrankheit ist eine Viruserkrankung der Wiederkäuer, die unter anderem mit einer massiven Blaufärbung der Zungen einher geht . Für den Menschen ist die Erkrankung absolut ungefährlich. 2007 verendeten im Wetteraukreis noch rund 400 Schafe und etwa 100 Rinder unter teilweise entsetzlichen Qualen an der Blauzungenkrankheit. Mit der ab 2008 gesetzlich vorgeschriebenen Impfung von rund 10.000 Schafen und Ziegen und rund 17.000 Rindern ließ sich ein wirksamer Schutz dieser Tiere erreichen. 2009 wurde im Wetteraukreis kein einziger Fall von Blauzungenkrankheit festgestellt . "Die Impfung war eine beispielloser Erfolg und ein Segen für Tiere und Landwirtschaft" , freut sich Dr. Rudolf Müller. Der Veterinärmediziner kann es deshalb nicht nachvollziehen, dass Ende 2009 der Bundesrat mit zehn zu sechs Stimmen gegen eine Fortführung der Pflichtimpfung votierte . "O bwohl sich nahezu die gesamte deutsche Tierärzteschaft und namhafte wissenschaftliche Institutionen wie das Friedrich Löffler Institut nachhaltig für eine Fortführung der verpflichtenden Impfung ausgesprochen hatten ", sagt Müller und appelliert an die Betriebe, die Wiederkäuer halten, die Tiere unbedingt auch in diesem Jahr freiwillig impfen zu lassen.
Geflügelpest und "Schweinegrippe"
Im Jahr 2006 war die Geflügelpest und die nicht völlig auszuschließende Gefahr für den Menschen stark im Gespräch. Im November 2009 verendeten auf einem Geflügelhof im Kreis Diepholz in Niedersachsen rund 2.000 Puten. Wegen Verdacht auf Geflügelpest wurden 20.000 Putenküken und 9.200 ausgewachsene Puten vorsorglich getötet. Während des gesamten letzten Jahres wurden im Wetteraukreis rund 110 Kotproben und Entenköpfe auf Geflügelpest getestet: Das Ergebnis war überall negativ, das heißt, der Verdacht bestätigte sich bei keinem der untersuchten Tiere.
Anfang 2009 schrieb die Influenza aus Mexiko große Schlagzeilen. Weil das gefundene Influenzavirus große Ähnlichkeit mit Influenzaviren aufwies, die überwiegend bei Schweinen vorkommen, wurde die Erkrankung kurzerhand "Schweinegrippe" getauft. Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren Schweine noch nicht an dieser Grippe erkrankt, erst in der Folge steckten weltweit in wenigen Einzelfällen infizierte Menschen Schweine an. Die heimischen Schweinebestände blieben von dem neuen Virus verschont.
Bovinen Herpes und Bovinen Diarrhoe
Erfolgreich war im vergangenen Jahr die flächenweite Bekämpfung der Infektion mit dem BHV-1-Virus (Bovinen Herpes Virus) der Rinder (auch "IBR" genannt). Die Erkrankung betrifft ausschließlich Rinder und soll seitens der EU europaweit getilgt werden. Der Anteil an BHV-1-freien Rinderbeständen im Sinne der BHV-1-Verordnung konnte im Wetteraukreis weiter erhöht werden. Nach einem Klinikaufenthalt in der Universitätsklinik in Gießen konnten in einem bislang BHV-1-freien Bestand zwei neu infizierte Tiere nachgewiesen werden. Sie hatten engen Kontakt mit einem BHV-1-positiven Tier der Klinik. Als Folge davon mussten weitere 17 Bestände des Wetteraukreises, die in dem fraglichen Zeitraum Tiere in der Klinik hatten, überprüft werden. Weitere infizierte Rinder wurden nicht gefunden.
In einem Rinderbestand mit rund 300 Tieren verendeten in kurzen Abständen 14 Jungtiere. Grund war ein akuter Ausbruch der BVD/MD (Bovinen Virusdiarrhoe), die vor allem bei Kälbern zu massiven Durchfällen mit Todesfolge führen kann. Nachforschungen ergaben, dass das Virus vermutlich durch ein Zukauftier eingeschleppt worden war. Da die Erkrankung neben hoher Kälbersterblichkeit auch Aborte und Fehlgeburten mit sich bringt - damit erhebliche wirtschaftliche Verluste - erließ der Bund eine Verordnung zur Bekämpfung dieser Krankheit. Sie tritt zum 1. Januar 2011 in Kraft tritt, weshalb das Land Hessen aktuell ein freiwilliges Sanierungsprogramm ins Leben gerufen hat, das es den Landwirten ermöglicht, schon jetzt mit Unterstützung des Landes Hessen und der Tierseuchenkasse die Betriebe zu sanieren. Die Veterinärbehörde des Wetteraukreises unterstützt diese Maßnahme, Anfang dieses Jahres wurden die Landwirte bereits ausführlich informiert.
Schweinepest
Mitte Januar 2009 wurde in Rösrath in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Hessen bei einem erlegten Wildschwein das Virus der Europäischen Schweinepest festgestellt. Die Wetterauer Bevölkerung wurde zunächst über die notwendigen Maßnahmen informiert. Um zu verhindern, dass die Seuche sich weiterverbreitet und in Hausschweinebeständen ausbricht, wurden die Landwirte und Jäger darauf hingewiesen, auf strengste Hygienemaßnahmen zu achten und Wildschweine verstärkt zu bejagen. Zusätzlich führte die Veterinärbehörde in den Revieren der Gemeinden Münzenberg, Butzbach, Rockenberg, Ober-Mörlen, Bad Nauheim, Rosbach und Friedberg ein Monitoring durch und zeigte den Revierinhabern, wie Blutproben entnommen werden. Im Rahmen eines landesweiten Monitorings wurden im Einzugsbereich des Regierungspräsidiums Darmstadt 2009 bei insgesamt 3.390 erlegten Wildschweinen, davon 270 im Wetteraukreis, Blutproben genommen und auf das Schweinepestvirus untersucht. Alle untersuchten Proben waren bisher glücklicherweise negativ.
Vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz kam die Initiative, Container anzuschaffen, in denen erlegte Wildschweine zwischengelagert werden können. "Wir haben dies im Wetteraukreis nicht umgesetzt. Zum einen, weil die Containerlösung für die Kommune äußerst kostenintensiv ist, zum anderen ist sie fachlich unsinnig und nicht begründbar", sagt Kreisbeigeordneter Ottmar Lich und begründet: "Container dienen eher der nicht gewollten Seuchenverbreitung der Schweinepest als deren Bekämpfung."
Tollwut
Im vergangenen Jahr wurden Füchse im Wetteraukreis erstmals seit acht Jahren nicht mehr mit Impfködern gegen Tollwut geimpft. Seit August 2008 ist Deutschland anerkannt tollwutfrei und im Wetteraukreis wurde seit mittlerweile sechs Jahren kein tollwütiger Fuchs mehr gefunden. "51 Füchse, die wir auf Tollwuterreger hin untersuchten, waren alle ohne Befund", sagt Dr. Müller.
Die Tollwut ist eine für den Menschen äußerst gefährliche, durch einen Virus übertragene Krankheit, die nach Infektion und ausgebrochenen klinischen Erscheinungen unweigerlich zum Tode führt. Dr. Isabell Tammer, Leiterin des Fachgebietes Tierseuchen, weist nochmals eindringlich darauf hin, verhaltensauffällige Hunde, insbesondere auf Auslandsreisen, oder Wildtiere nicht anzufassen und den Kontakt mit ihnen zu meiden. So wurde beispielsweise Anfang 2009 Tollwut bei einem Hund in Lörrach nachgewiesen, der im August 2008 aus Kroatien eingeführt worden war. Allzu sorgloser Umgang mit Hunden in Ländern, in denen die Tollwut noch nicht getilgt und kaum überwacht ist, sollte vermieden werden.
Salmonellen
In einem Rinderbestand im Wetteraukreis wurde Salmonellose festgestellt und der Bestand gesperrt. Die bakteriologische Untersuchung der Kotproben von 51 Rindern ergab in zwölf Fällen einen positiven Salmonellenbefund. In Absprache mit dem Hessischen Landeslabor Gießen, dem Hoftierarzt und dem Tierhalter wurde neben anderen therapeutischen Maßnahmen ein stallspezifischer Impfstoff hergestellt und eingesetzt. Der Bestand konnte dadurch schnellstmöglich saniert werden.
In einem von drei amtlicherseits beprobten Legehennenbeständen mit mehr als 1.000 Hühnern wurden in den amtlichen Proben Salmonellen nachgewiesen. Im Rahmen der anschließend fälligen Beprobung sämtlicher Herden des Bestandes waren sieben von acht Herden Salmonellen-positiv. Alle betroffenen Herden des Bestandes wurden geschlachtet. Der Betrieb geriet aufgrund dieser neuen gesetzlichen EU-Vorgaben in große wirtschaftliche Bedrängnis. Grund dafür ist, dass durch die rigiden Maßnahmen aus den reglementierten Hennen und den Eiern kein nennenswerter Erlös zu erwirtschaften ist. Maßnahmen, die unter der Prämisse Verbraucherschutz laufen, die jedoch für den Betriebsinhaber, für Dr. Müller und die Amtstierärztinnen hiesiger Behörde nur schwer nachvollziehbar sind.
BSE und CWD
Alle im Wetteraukreis geschlachteten Rinder und Schafe über einer Altersgrenze von 48 Monaten wurden auf BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie) hin untersucht. Die 170 Proben (84 Rinder, 86 Schafe) waren alle negativ, so dass der Gesundheitsschutz des Verbrauchers gewährleistet ist. Daneben wurden in einem Monitoring-Programm der EU zwei Gehirnproben von Rotwild auf CWD (Chronic Wasting Disease) untersucht. Die CWD ist eine der BSE vergleichbare Erkrankung und tritt bei Rotwild auf. Auch diese untersuchten Proben waren negativ.
Von Bienen und Karpfen bis Papageien und Rinder
In einem kleinen Putenbestand verstarben innerhalb weniger Tage zehn von zwanzig Tieren. Bei der im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor eingeleiteten Untersuchung konnte bei einem eingesandten Tier die für den Menschen ungefährliche Schwarzkopfkrankheit nachgewiesen werden. Diese wird durch den Einzeller Histomonas meleagridis hervorgerufen und durch einen Darmparasiten übertragen. Da eine ursächliche Therapie nicht möglich ist, kann der Krankheit nur durch Entwurmungs- und Hygienemaßnahmen, die den Bestand vor Neuinfektionen schützen soll, vorgebeugt werden.
Im Wetteraukreis wurde im Rahmen einer Monitoringuntersuchung von Futterkranzproben eines Bienenbestandes in Ober-Mörlen/Langenhain ein Befall durch Sporen der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen. Nach der klinischen Untersuchung des Bestandes musste der Ausbruch der Faulbrut amtlich festgestellt werden. Der Bestand wurde gesperrt und die Tötung der betroffenen Völker angeordnet. Auch Bienenstände, die sich in der Nähe befanden, wurden bis zum Vorliegen von negativen Ergebnissen gesperrt. Amerikanische Faulbrut ist eine bakterielle Infektion, die ausschließlich Bienen befällt und für den Mensch absolut ungefährlich ist.
Im Verlauf des Jahres wurden zwei Rinder aus zwei nicht miteinander in Verbindung stehenden Beständen, die an starken zentralnervösen Störungen litten, in Absprache mit den Besitzern eingeschläfert. Von Seiten des Veterinäramtes wurde unter anderem der Verdacht auf Listeriose, einer bakteriellen Erkrankung des Gehirns, geäußert, was sich nach dem Befund des Hessischen Landeslabors in Gießen bestätigte.
In einem privaten Gartenteich wurde bei drei Koikarpfen das sogenannte Koi-Herpesvirus (KHV) nachgewiesen, woraufhin der Bestand gesperrt werden musste. Weiter wurden im Verlauf des Jahres 3 Psittacidenbestände gesperrt, da der Verdacht des Ausbruchs der Psittakose (Papageienkrankheit) bestand. Da alle Untersuchungen negativ verliefen, konnten die Sperren in der Folge wieder aufgehoben werden. Im Wetteraukreis wurden ferner stichprobenartig Rinder- und Schafbestände auf Leukose, Brucellose und Tuberkulose sowie die Schweinebestände auf Aujeszkysche Krankheit (AK) hin untersucht bzw. durch prophylaktische Maßnahmen der Veterinärbehörde vor diesen Infektionskrankheiten geschützt.




