Erste Sporthalle in Passivhausbauweise im Wetteraukreis eingeweiht
Erste Sporthalle in Passivhausbauweise im Wetteraukreis eingeweiht
Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel, Landrat Joachim Arnold, Bürgermeister Bertin Bischofsberger und viel weitere politische Prominenz fand sich am heutigen Mittwoch (09. Dezember 2009) in Reichelsheim zusammen. Grund war die Einweihung der Sporthalle für die Grundschule im Ried. Das Besondere: Die Sporthalle wurde in Passivhausbauweise errichtet und gilt damit als Pilotprojekt für die Wetterau.
"Bisher sind die Werte hervorragend. Auch der "Blower-Door-Test" hat unsere Erwartungen bestätigt. Jetzt werden wir den Betrieb abwarten und dann auswerten, wie die Verbrauchszahlen tatsächlich sind." Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel erwartet aber, dass mit der Realisierung der ersten Sporthalle in Passivhausbauweise in der Wetterau eine neue Ära im Sporthallenbau begonnen hat, das kann sich auch auf andere Schulbauten auswirken. "Wir wollen zeigen, dass auch in öffentlichen Gebäuden eine Passivhausbauweise realisiert werden kann", unterstreicht der Schuldezernent sein Anliegen.
Um dieses Bauwerk zu realisieren, hat man in der Fachstelle Hochbau und Energie im Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft des Wetteraukreises ein Team von sechs Mitarbeitern zusammengestellt, die aus der Ausbildung und der Berufserfahrung Kenntnis in der Passivhausbauweise besaßen und sich zudem noch weitergebildet haben. Unter anderem wurden gleichartige Sporthallen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen besichtigt.
Der komplette Passivhausentwurf, die dazugehörigen Energieberechnungen und die anschließende Bauantragsplanung wurden von der Fachstelle Hochbau und Energie gefertigt. Außerdem hat der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft auch in den nächsten Bauphasen bis zur Fertigstellung die Projektsteuerung übernommen und die Ausführung des Passivhausstandards überwacht.
Für die Werkplanung und die Bauleitung wurden ansässige Architekturbüros beauftragt. Für die Beratung in Sachen Passivhausbauweise wurde vom Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft das Passivhausinstitut in Darmstadt eingeschaltet und beauftragt, sodass das Institut die Sporthalle nach Fertigstellung als Passivhaus zertifizieren kann.
Dick eingepackt
Um den Passivhausstandard zu erreichen, darf der Heizenergiebedarf im Gebäude maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erreichen. Das entspricht in etwa 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter Nutzfläche. Mit anderen Worten: Eine 100 Quadratmeter große Wohnung ließe sich mit Heizkosten von umgerechnet 10,00 Euro pro Monat heizen. Ein Wert, von dem die meisten nur träumen können.
Möglich sollen solche Werte durch eine besondere Isolation des Gebäudes werden. Unter der Bodenplatte wurde eine 12 Zentimeter starke Dämmung verlegt, senkrecht am Außenmauerwerk sind es 30 Zentimeter und am Dach sind es 36 Zentimeter. Die Fenster sind dreifach verglast. Dazu muss das Passivhaus besonders winddicht sein. Dafür werden so genannte "Blower-Door-Tests" durchgeführt. Mit diesen Tests wird der natürliche Luftaustausch gemessen. Während sich üblicherweise die Luft in einem herkömmlich errichteten Raum dreimal pro Stunde austauscht, darf sie sich in einem Passivhaus nur 0,6 Mal pro Stunde von selbst austauschen.
Damit ausreichend Frischluft zugeführt wird, wurde eine Lüftungsanlage eingebaut mit einem ganz besonderen Kreislauf: Die Frischluft wird angesaugt und strömt dann durch die Halle in die Umkleide- und Duschbereiche. Dabei nimmt die Luft die abgestrahlte Wärme der Nutzer und elektrischen Geräte auf und erwärmt sich. Durch die Wärmerückgewinnung wird am Ende der Kette diese Wärme wieder entzogen und die neue Frischluft auf 18 Grad erwärmt. So entsteht in der Halle ein für den Sport angenehmes Klima.
Da am Tagesanfang noch niemand in der Halle so viel Hitze produziert, um dem Wärmetauscher genügend Wärme zuzuführen, werden die Nebenräume, dort sind 20 Grad erforderlich, mit kleinen Heizkörpern angeheizt. Im Sommer kann die Halle nachts über die Fenster, zur natürlichen Kühlung, gelüftet werden. Auch sonst ist das Öffnen der Fenster bei ausgeschalteter Lüftungsanlage möglich. Die starke Dämmung sorgt dafür, dass die Halle im Sommer durch die Sonne nicht so stark aufgeheizt wird.
Schmucke Sporthalle
Entstanden ist eine schmucke Einfeldsporthalle mit einem DIN-gerechten Basketballspielfeld und 450 Quadratmetern im Innenbereich. Die Geräte-, Umkleide- und Duschräume messen zusammen rund 260 Quadratmeter.
Die Stadt Reichelsheim ist Bauherr und finanziert die 1,5 Mio Euro für den Neubau Der Wetteraukreis trägt die Hälfte der Kosten und zahlt seinen Anteil ab dem kommenden Jahr zurück. Überdies hat der Wetteraukreis die Mehrkosten für die Passivhausbauweise übernommen. Nach den Schulstunden", so Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel, "steht die Halle auch dem Vereinssport zur Verfügung."




