Inobhutnahmen nehmen zu – Orientierung im Haus Waldfrieden
Inobhutnahmen nehmen zu – Orientierung im Haus Waldfrieden
Die Wirtschafts- und Finanzkrise treibt nicht nur Kämmerern und Kassenverwaltern Sorgenfalten auf die Stirn, auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens sind davon betroffen. So nehmen auch private und familiäre Konflikte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu. "Die Zahl der Kinder, die wir in Obhut nehmen, steigt mit Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not."
Blick in ein Zimmer der Inobhutnahmegruppe
Das Haus Waldfrieden ist ein idyllisch gelegenes Gebäudeensemble. "Hier, direkt hinter uns, beginnt der Taunus", erläutert Wolfgang Hamann. Der Erzieher ist seit 17 Jahren in der Heimerziehung tätig und ist Leiter der Wohngruppe. Zusammen mit Arzu Yobas, Svenja Keppler und drei weiteren Kräften betreut er die Jugendlichen in der Inobhutnahmegruppe.
Das Haus, in dem die Kinder und Jugendlichen unterkommen, unterscheidet sich kaum von einem geräumigen Einfamilienhaus. Küche mit Essecke, Wohnzimmer und die Einzel- und Doppelzimmer für die Bewohnerinnen und Bewohner. "Wir können hier maximal sechs junge Leute unterbringen und haben sozusagen ein Eins-zu-eins-Verhältnis von Betreuten und Betreuern. Im Tagesablauf sieht das natürlich anders aus. Nacht- und Wochenenddienste müssen abgedeckt werden, aber in den Kernzeiten sind stets zwei bis drei Betreuer da, um sich intensiv um die Kinder zu kümmern. In dieser Krisensituation müssen wir schnell erlebbare und praktische Hilfe leisten. Wir fahren auch zu Psychologen, in die Schule und in den Kindergarten. Es geht darum, dass die Kinder erleben, dass jetzt ganz praktisch etwas passiert, dass sich ihre Lage ändert", erläutert Hamann.
Das sind vor allem viele psychische Probleme, mit denen die Kinder und Jugendlichen fertig werden müssen - von Panikattacken und Albträumen über aggressives Verhalten. Das "Chaos im Kopf" drückt sich in ambivalentem Verhalten aus: Heute sind manche nett und freundlich und morgen wieder überaus aggressiv. "Das ist aber kein Vorsatz", wie Svenja Keppler erläutert, "sondern entsteht aus der Angst in der ungewohnten Situation."
Hier in der Inobhutnahmegruppe erleben viele Bewohner zum ersten Mal einen strukturierten Alltag und feste Regeln. Interessant ist dabei die Gruppendynamik, denn die jungen Leute stellen sich aufeinander ein. Sie wissen, dass sie sich alle in einer besonderen Situation befinden.
Zurück in die Familie
Das Jugendamt arbeitet eng mit dem Heim und den Eltern, um Bedingungen zu schaffen, die eine Rückkehr der Kinder in die Familie ermöglichen. "Die meisten Kinder wollen auch gerne schnell wieder zurück in die Familie und auch die Eltern sind daran interessiert. Sie nehmen gerne die Hilfsangebote an, etwa wenn es darum geht, die Familien in der Erziehung durch sozialpädagogische. Familienhilfe zu unterstützen, um eine Vernachlässigung der Kinder zu verhindern", weiß Yvonne Messinger, Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe beim Wetterau.
Im Kinderheim Waldfrieden stehen die Türen offen
Im Kinderheim Waldfrieden stehen die Türen offen abgeschlossen ist nur das Büro. "Wir sind keine geschlossene Einrichtung, sondern machen Angebote an die Bewohner. Angebote die gerne angenommen werden. Vor allem haben wir Zeit, uns den Kindern zu widmen, auch wenn ein Gespräch einmal drei Stunden dauert und mitten in der Nacht stattfindet. Hier sollen sich die Kinder fallen lassen. Sie haben einen Ruheraum, wo sie genügend Zeit und Unterstützung haben, ihr eigenes Leben zu reflektieren und wieder in den Griff zu bekommen."
Die Inobhutnahmegruppe ist ein wichtiger Baustein im Angebot des Fachbereichs Jugend und Soziales des Wetteraukreises. "Wir bieten niedrigschwellig und kurzfristig für Kinder und Jugendliche in Not einen Rückzugsraum. Die Jugendlichen, die hier in Butzbach vorübergehend unterkommen, sehen das jedenfalls genauso."




