Inobhutnahmen nehmen zu – Wetteraukreis schafft einen sicheren Ort für Kinder

Inobhutnahmen nehmen zu – Wetteraukreis schafft einen sicheren Ort für Kinder

Inobhutnahmen nehmen zu – Wetteraukreis schafft einen sicheren Ort für Kinder


Die Wirtschafts- und Finanzkrise treibt nicht nur Kämmerern und Kassenverwaltern Sorgenfalten auf die Stirn, auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens sind davon betroffen. So nehmen auch private und familiäre Konflikte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu. "Die Zahl der Kinder, die wir in Obhut nehmen, steigt mit Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not."  

Wenn Kinder in Obhut genommen werden und von dort aus in einem Heim unterkommen, beginnt für sie eine psychische Ausnahmesituation. Sie kommen aus der Familie in eine Heimgemeinschaft, die schon eine ganze Weile besteht, wo sich feste Strukturen entwickelt haben. "Deshalb haben wir im April dieses Jahres im Kinder- und Jugendhilfezentrum Haus Waldfrieden in Butzbach eine Inobhutnahmegruppe gebildet", erklärt Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith.  

Psychologische Betreuung verstärken  

Yvonne Messinger, Fachdienstleiterin Jugend beim Wetteraukreis, beziffert die Zahl der Inobhutnahmen für den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. September 2009 auf 37 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren. Überwiegend werden Auseinandersetzungen in der Familie, Misshandlung und fehlende Versorgung als Gründe für die Inobhutnahme angeführt. Parallel zur Arbeit mit den Familien musste bei 14 Kindern eine psychologische Betreuung eingerichtet werden. "Der psychologischen Betreuung der Kinder wird man in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit schenken", kündigte Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith an. "Wir stoßen hier immer wieder auf Defizite, die professionell behandelt und versorgt werden müssen."  

Mit der Erziehung der Tochter überfordert  

Jessica J. ist ein typisches Beispiel, die 15-Jährige lebt mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährten in einer Wohnung. Während der Lebensgefährte kaum Interesse an dem Kind hat, wachsen die Spannungen zwischen Mutter und Tochter. Zum leiblichen Vater gibt es keinen Kontakt mehr. Jessica fehlt oft in der Schule und fällt dort durch Prügeleien auf - ein Schulverweis droht. Zudem kommen mehrere Diebstähle in Supermärkten, wo es Jessica besonders auf Kosmetika abgesehen hat, die sie von ihrem Taschengeld nicht kaufen kann.  

Die Mutter ist mit der Erziehung von Jessica überfordert. Sie vereinbart einen Termin beim Jugendamt, wo erst einmal die aktuelle Situation analysiert werden soll. Während des Gesprächs eskaliert die Lage erneut. Jessicas Mutter ist völlig verzweifelt und weil auch Jessica einwilligt, wird sie zunächst einmal in Obhut des Jugendamtes genommen.  

"Mit Jessica und ihrer Mutter werden wir dann zunächst einmal getrennt klären, welche Perspektiven es geben kann. Gibt es Verwandte, die die Jugendliche aufnehmen könnten oder eine Pflegefamilie? Wenn nicht, wird Jessica in eine Inobhutnahmegruppe aufgenommen, die im Kinder- und Jugendhilfezentrum Haus Waldfrieden von dem gemeinnützigen Verein "Mission Leben" in Butzbach zum 1. April 2009 eingerichtet wurde.  

Keines der Kinder bleibt hier für eine längere Zeit. Die Inobhutnahmegruppe dient nur als Schutzraum für die Kinder, die in einer besonders schwierigen Situation aufgefangen werden sollen. "Unser Ziel ist es, die Familien so weit zu stabilisieren und zu stärken, damit sie ihrem Erziehungsauftrag auch gerecht werden können", betont Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith, der einen ganzheitlichen Ansatz fordert.


Erstellt am: 2009-12-02