Mainzer Weihbischof Guballa im Gespräch mit Landrat Gnadl und Erstem Kreisbeigeordneten Veith
Mainzer Weihbischof Guballa im Gespräch mit Landrat Gnadl und Erstem Kreisbeigeordneten Veith
Hans-Joachim Wahl, Dekan Wetterau-West, Landrat Rolf Gnadl, Eva Hofmann, Direktorin des Caritasverbandes Gießen, Weihbischof Werner Guballa, Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith und Dekenatsreferent Joachim Michalik.
Als Anfang der 90er Jahre die Verantwortung für die Rettungsdienste auf die Landkreise überging, dachte noch niemand an Notfallseelsorge. Doch Unfälle, Brände oder Verbrechen hinterlassen nicht nur körperliche sondern auch seelische Spuren. Das gilt für die Opfer und nicht selten auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rettungsdienste und Feuerwehren. Der Wetteraukreis war für das Bistum Mainz Pilotgebiet für eine mittlerweile unentbehrliche Einrichtung: Die Notfallseelsorge. Joachim Michalik, Gregor Rettinghaus und andere sind die beiden kirchlichen Notfallseelsorger des katholischen Dekanats Wetterau, die immer dann hinzugerufen werden, wenn es brennt, ein Unfall passiert ist oder Menschen in einem außergewöhnlichen Maß zu Schaden gekommen sind.
Die Zusammenarbeit zwischen der hoch professionellen Seelsorge und den Rettungsdiensten und Feuerwehren sei ausgezeichnet, die Erfahrungen gut, lobte Landrat Rolf Gnadl. Und Veith sprach aus eigener Erfahrung als ehemaliger Bürgermeister der Stadt Butzbach, die an einem der unfallträchtigsten Teilstrecken der Autobahn A 45 liege. "Wir sind dankbar, dass es die Notfallseelsorge gibt und der Wetteraukreis hier sehr gut aufgestellt ist."
Angesichts der Tatsache, dass jedes dritte Kind in Deutschland in einer Familie aufwächst, die von stattlicher Unterstützung lebt, thematisierten Gnadl, Veith und Guballa auch die wachsende Kinderarmut. "Es ist erschreckend, dass eine der reichsten Industrienationen der Welt Tafeln für bedürftige Menschen einrichten muss", sagte Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith. Er erinnerte an die vor zwei Jahren ins Leben gerufene Butzbacher Tafel, die von Anfangs 40 mittlerweile bis deutlich über 200 Menschen Lebensmittel reicht. Die Tagessätze, von denen Familien, die von Hartz-IV leben müssen reichten nicht aus, um Kindern jeden Tag ein gesundes und warmes Mittagessen zu ermöglichen. 1,09 Euro sei der Tagessatz, 3,70 Euro müssten es aber sein, wenn die Mensen in den Schulen an jeden kostendeckend Essen ausgeben. "Für den Wetteraukreis bedeutet dies einen Fehlbetrag von 250.000 Euro, den wir aber in Anbetracht unserer Schuldenlast nicht unproblematisch einfach so zur Verfügung können", sagte Veith. Gleichwohl ist die Diskussion hierzu erst am Anfang, die Problematik nimmt und wir müssen uns ihr stellen, "wenn wir auch noch keine Patentlösung haben", so Landrat Gnadl.
Berührungspunkt ist auch die Schuldnerberatung, die das Diakonische Werk und die Caritas im Auftrag des Wetteraukreis anbieten. Erst vor kurzem war ein neuer Vertrag mit der Caritas abgeschlossen worden. Schuldnerberatung ist vor allem in Hinblick auf Hartz IV nötiger denn je und wird eine wachsende Bedeutung haben. Eva Hofmann, Direktorin des Caritasverbandes Gießen machte im Gespräch mit Veith und Gnadl deutlich wie wichtig die Prävention ist. "Wir müssen auch in die Schulen gehen und Kindern erklären, dass man Geld nur einmal ausgeben kann, dass die Kosten fürs Handy nicht ins astronomische wachsen können, wenn das Taschengeld das nicht hergibt." Umgang mit Geld fällt nicht vom Himmel. Wer als Kind oder Jugendlicher nicht mit seinem Taschengeld auskommt, hat später vielleicht Probleme, seine Bedürfnisse an die finanzielle Decke des Gehalts anzupassen.




