Galerie im Kreishaus zeigt Bilder des russischen Künstlers Viatscheslav Davydov
Galerie im Kreishaus zeigt Bilder des russischen Künstlers Viatscheslav Davydov
Realistisch in der Darstellung, doch phantasievoll-phantastisch im Inhalt und in ihrer Erzählweise. So lassen sich die Bilder des russischen Malers Viatscheslav Davydov beschreiben, die noch bis zum 25. Januar im Dienstleistungszentrum des Wetteraukreises zu sehen sind. Landrat Rolf Gnadl eröffnete im Rahmen der Galerie im Kreishaus die letzte Ausstellung in diesem Jahr. Musikalisch umrahmt wurde sie von Valeri Volkov mit russischen Romanzen und Volksliedern.
Vor der Kulisse des Bildes „Der verlorene Sohn“ v.l.n.r. Elke Hieronimus, Landrat Rolf Gnadl, Elena Davydova und Viatscheslav Dadydov.
"Die Galerie im Kreishaus ist eine gute und langjährige Tradition der Kreisverwaltung", sagte Landrat Rolf Gnadl bei der Eröffnung der Ausstellung Malerei und Monotypien des russischen Künstlers Viatscheslav Davydov. Auf eher zufällige Art und Weise kämen Menschen mit Kunst dort in Berührung, wo sie es nicht erwarteten. Die Ausstellung Davydovs sei Ausdruck der Bereicherung, die eine multikulturelle Gesellschaft durch die in ihr lebenden Menschen erfahre.
Die Kunsthistorikerin Elke Hieronimus führte die Besucherinnen und Besucher in das Werk des russischen Künstlers ein. Harlekine und Narren, kokette Damen und sehnsuchtsvolle Musikanten, Figuren, die an den Karneval von Venedig erinnern: Auf den ersten Blick erscheint uns vieles in den Bildern Davydovs bekannt. Beim näheren Hinsehen offenbart sich jedoch eine bizarre und teilweise groteske Welt. Die Gesichter sind maskenhaft und erinnern an Schauspieler. Das ist die eine Seite der Kunst des 1950 in St. Petersburg geborenen Künstlers. Daneben zeigt Davydov sehr detaillierte, präzise durchkomponierte Stillleben in jeder Technik, in Pastell, Aquarell, Öl und als Monotypien. Die Ausstellung zeigt Landschaften und Stadtansichten, wie sein immer wiederkehrendes Thema, seine Heimatstadt St. Petersburg, aber auch Aktdarstellungen.
Elke Hieronimus ging besonders auf das Bild "Der verlorene Sohn" ein, das die zugrunde liegende biblische Geschichte illustriert. Das Bild zeigt eine Gruppe von Spielern. Den verlorenen Sohn, der ahnungslos die Karten in der Hand hält und der von einer Dame neben ihm vom Spiel abgelenkt wird. Der Falschspieler am rechten Bildrand nutzt die Situation und bringt unbemerkt die verdeckte Gewinnkarte ins Spiel. Das merkwürdige: es wird scheinbar um nichts gespielt wird, denn der Spieltisch ist leer. Damit wird deutlich: Davydovs Thema ist im übertragenen Sinne die Täuschung durch die Mittel der Malerei. Oder wie es Elke Hieronimus am Ende ihrer Laudation auf den Punkt brachte: "Durch sie eröffnet uns Davydov eine ganze Bilderwelt, mit nichts als der Farbe, seinem Herz, seinem Verstand und einer sehr begabten rechten Hand."
Davydov, der die Monotypie für sich neu entdeckt und weiter entwickelt hat, wurde 1950 in St. Petersburg geboren. An der Muchins-Akademie studierte er Design und Grafik und arbeitete von 1971 bis 1998 als selbständiger Designer und Grafiker und entwickelte Plakate und Verpackungen. Sieben Jahre lang war er Kunstdozent in einer freien Künstlerwerkstatt. Seit 1998 lebt Davydov in Deutschland. Einige seiner Werke befinden sich in der Sammlung des Russischen Museums in St. Petersburg sowie im Museum der Königlichen Kunsthochschule Kopenhagen. Ebenso in privaten Sammlungen in Russland, USA, Israel, Australien, Japan und Deutschland.




