Praktisch bildbare und praktisch bildbare körperbehinderte Schülerinnen und Schüler lernen mit dem Computer
Praktisch bildbare und praktisch bildbare körperbehinderte Schülerinnen und Schüler lernen mit dem Computer
Geistig behinderte Schülerinnen und Schüler haben wie Nicht-Behinderte auch, das Recht und auch die Pflicht, eine Schule zu besuchen. Der Unterricht dieser Förderschule unterscheidet sich aber in einigen wesentlichen Punkten von dem der Regelschule. In der Schule, die zur individuellen Lebensbewältigung befähigen soll, werden die Schülerinnen und Schüler in extrem heterogenen Klassen unterrichtet. Die Klasseneinteilung ist nicht mit der einer Regelschule vergleichbar. Die Klassen sind einer Stufeneinteilung zugeordnet und alle Schülerinnen und Schüler durchlaufen die Grund-, Mittel- und Haupt-/ Werkstufe, so dass sie am Ende zehn Jahre Schulpflicht absolviert haben, wie nicht-behinderte Schülerinnen und Schüler auch. Wenn es aus pädagogischen Gründen erforderlich erscheint, kann die Schulpflicht auf Antrag der Eltern verlängert werden .
Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith (2.v.r.) und Schuldezernent Ottmar Lich (links) informieren sich in der Wartbergschule über das IT-Projekt
Einmaliges Projekt
Erster Kreisbeigeordneter und Schulbaudezernent Oswin Veith bezeichnete das Projekt der Wartbergschule als bundesweit ziemlich einmalig. Mit Hilfe von drei Sponsoren, nämlich Fujitsu-Siemens-Computers, Horn & Cosifan EDV-Dienstleistungen und D-Link Deutschland aktive Netzwerkkomponenten ist es gelungen, ein Drittel der Investitionskosten von rund 50.000 Euro über Sponsoren zu finanzieren. Zwei Drittel steuert der Schulträger Wetteraukreis bei.
Zur Projektidee gehört, dass alle zwölf Klassen mit je zwei netzwerkfähigen Multimedia-Computern ausgestattet werden. Die Computer verfügen über spezielle Eingabegeräte, um auch körperbehinderten Schülerinnen und Schülern die Arbeit am Computer zu ermöglichen. In einer Schule für Praktisch Bildbare gibt es unterschiedliche Behinderungsbilder und entsprechend heterogene Lerngruppen. Daher ist für das Lernen in einer Klasse ein sehr hohes Maß an Differenzierung notwendig, um kleinschrittiges Lernen auf unterschiedlichem Lern- und Leistungsniveau zu ermöglichen. Genauso wichtig ist die individuelle Förderung in klassenübergreifenden Kursen.
„Umfangreiches, vielschichtiges und vielseitiges Üben und Wiederholen der Lerninhalte ist Voraussetzung, um den Transfer des Gelernten anzubahnen und in unterschiedlichen Lebenssituationen verfügbar zu machen“, heißt es in der Projektidee der Wartbergschule. Heute ist der Umgang mit Multimedia-Computern und elektronischen Medien eine wichtige Voraussetzung für die aktive gesellschaftliche Teilhabe auch von Menschen mit geistiger Behinderung. Der PC wird als Mittel und Werkzeug der Kommunikation und Information sowie der Unterhaltung und Freizeitgestaltung verstanden.
Gerade für Menschen mit Behinderungen und dem Bedürfnis nach stark individualisierten Lernformen hat der Computer eine ganze Reihe von Vorteilen: Selbstkontrolle, unmittelbare Rückmeldung, hoher Status für den, der mit dem Computer umgehen kann, ein geduldiges und Fehler verzeihendes Medium, bei dem einzelne Übungsabläufe beliebig oft wiederholt werden können.
Forschungen haben ergeben, dass der Umgang mit dem Computer gerade bei Menschen mit geistiger Behinderung Verbesserungen im Bereich der Merk- und Konzentrationsfähigkeit erzielt und auch die feinmotorischen Fertigkeiten schult. Aber auch die psychische Komponente sollte nicht unterschätzt werden. Gerade Kinder und Jugendliche, die fast dauernd unter pädagogischer und sozialer Kontrolle stehen, erfahren Entlastung und Selbstwertsteigerung durch ihre Fähigkeit die Computer zu kontrollieren.
Zum pädagogischen Konzept der Wartbergschule gehört die Vermittlung grundlegender Medienkompetenz, die Schaffung von motivierenden Schreib- und Leseanlässen, die Wahrnehmungsförderung über das Ansprechen unterschiedlicher Sinneskanäle, die Schulung von Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit und schließlich die adäquate Vorbereitung auf das Berufsleben.
Computer als Selbstverständlichkeit
Das Projekt ist beschränkt auf die Klassenräume der Mittel-, Haupt- und Werkstufe, da ein Schwerpunkt im Bereich der Kulturtechniken angesiedelt ist. Darüber hinaus sollen hier die Schülerinnen und Schüler sobald als möglich auf ein selbständiges Leben vorbereitet werden. Durch die alltägliche Präsenz wird der Computer als selbstverständliches und alltägliches Lernhilfsmittel erlebt und alltäglich genutzt.
Der Aufbau eines Intranets ermöglicht die klassenübergreifende elektronische Kommunikation unter den Schülerinnen und Schülern und führt zu weiteren Lese- und Schreibanlässen und damit dem Training der Kulturtechniken. Für körperbehinderte Schülerinnen und Schüler werden einfache Eingabegeräte und –hilfen angeschafft, um auch ihnen die Arbeit am Computer zu ermöglichen. Auch nicht- oder wenig sprechende Schülerinnen und Schülern wird ein alternatives Kommunikationsmittel angeboten. Schulbaudezernent Oswin Veith begrüßte das Projekt der Wartbergschule, das insbesondere von Johannes Altmannsberger, IT-Beauftragter der Wartbergschule und Andrea Hück, Abteilungsleiterin der Abteilung für praktisch bildbare Körperbehinderte begleitet wird und durch umfassende Fortbildungen des Kollegiums eine breite Basis erhält.
Die Kosten für die IT-Ausstattung übernimmt der Wetteraukreis.




