Gnadl im Gespräch mit Schülern des Projekts „Jugend schreibt“

Gnadl im Gespräch mit Schülern des Projekts „Jugend schreibt“

Gnadl im Gespräch mit Schülern des Projekts „Jugend schreibt“


"Dafür nehme ich mir gerne Zeit", versicherte Landrat Rolf Gnadl der Gruppe von Schülern, die ihn im Rahmen des Projekts "Jugend schreibt" besuchten. Im Mittelpunkt des zweistündigen Gesprächs, das die Schüler der Frankfurter Begemann-Schule mit dem Kreishauschef führten, stand die wirtschaftliche Entwicklung der Wetterau als Teil der Region Frankfurt-Rhein-Main.


Gnadl Faz 2

Landrat Rolf Gnadl, Hannes Albert, Immanuel Weidlich und Kolja Puphal.

„Jugend schreibt“ ist ein Projekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Frankfurter Volksbank, dem Deutschen Aktieninstitut, der Fraport AG, der Herbert-Quandt-Stiftung und Sanofi-Aventis Deutschland. In regelmäßigen Abständen erscheinen Artikel der Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Themen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 21 teilnehmenden Schulen kommen allein fünf aus dem Wetteraukreis: Das Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel, die Gesamtschule Konradsdorf in Ortenberg, die Henry-Benrath-Schule in Friedbrg, die Kurt-Schumacher-Schule in Karben und die Wingertschule in Friedberg.

Die jungen Leute der Begemann-Schule aus Frankfurt, einem Oberstufengymnasium mit Fachrichtung Wirtschaft, hatten sich gut vorbereitet und suchten mit interessanten Fragen einen Einblick in das Leben des Privatmannes Rolf Gnadl zu bekommen. Vom bayerischen Erbe seiner Familie über ein politisch denkendes Elternhaus kam der Landrat schnell zur Kommunalpolitik und klärte die jungen Leute über die Aufgaben eines Landkreises auf. 1970 kam Gnadl als Auszubildender zum Kreis, wurde im Alter von 25 Jahren Bürgermeister von Glauberg und ist seit 1992 als Landrat des Wetteraukreises Bindeglied zwischen Politik und Verwaltung. „Ich bin nicht amtsmüde, sondern putzmunter und ziemlich agil“, sagte Gnadl, dessen Arbeitstage zwischen 12 und 15 Stunden lang sind.

Die Schüler interessierten sich für Gnadls Position und Aufgabe im Verwaltungsrat der Sparkasse Oberhessen, wo der Landrat qua Gesetz den Vorsitz inne hat. Er beschrieb den Systemwettbewerb zwischen Sparkassen, Volksbanken und Kapitalbanken: „Sparkassen leisten wichtige Daseinsvorsorge in der Fläche, wo die großen Kapitalbanken sich längst zurückgezogen haben.“

Gesamtschule Konradsdorf und Frankfurt 21

Auf die Frage nach den wichtigsten Dingen, die er in seiner Amtszeit erreicht hat, griff Gnadl zwei Beispiele heraus: Die additive Gesamtschule Konradsdorf mit ihrer gymnasialen Oberstufe, was den Schulstandort gerade im Ostkreis stärkte; zum anderen die Verhinderung des Projekts „Frankfurt 21“. Vor sechs Jahren stand dieser Name für den ehrgeizigen Plan, den Frankfurter Hauptbahnhof von einem Sack- zu einem Durchgangsbahnhof umzugestalten, was die Untertunnelung des Hauptbahnhofs bedeutet hätte. „Wichtiger als die Fernverbindungen ist für unsere Region ein funktionierendes Regionalverkehrsnetz. Am Ende konnte ich die Planer davon überzeugen und die Idee verschwand in der Versenkung“, erzählt Gnadl nicht ohne Stolz. Ergebnis seiner Argumentation sind regionale Umsetzungen wie die S6 zwischen Friedberg und Frankfurt. „Das hat unserem Kreis große Anerkennung bei Stadt und Nachbarkreisen gebracht“, so der Landrat, der auch regionalpolitischer Sprecher der Regionalkonferenz für Verkehr ist.

Wetteraukreis profitiert von der Rhein-Main-Region

Von seinen jugendlichen Zuhörern auf die wirtschaftliche Entwicklung des Wetteraukreises angesprochen, führte Gnadl den großen Vorteil des Standorts Frankfurt-Rhein-Main an. Große Unternehmen profitierten von der geringeren Gewerbesteuer im Landkreis und siedelten sich zwischen Taunus und Vogelsberg an. „Das bringt Gewerbesteuerkraft und je größer diese ist, desto mehr kann ein Kreis für seine Bürgerinnen und Bürger tun, weil er selbst keine eigenen Einnahmen hat, erklärte Gnadl. Der Wetteraukreis hat die Fläche gerade für verarbeitendes Gewerbe, die die Stadt nicht bieten kann und liegt dicht am Netz der Bundesautobahnen.

„Ich bin proregional, denke in regionalen Zusammenhängen und sehe nicht nur die Spitze des Wetterauer Kirchturms.“ Wenn wir im europäischen Wettbewerb bestehen und mit anderen bedeutenden europäischen Regionen mithalten wollen, kommen wir um eine funktionierende und von Eifersüchteleien freie Zusammenarbeit nicht herum, sagt Gnadl, der sich als Rhein-Main-Bürger Wetterauer Provenienz definiert. Sei Zauberwort? „Reden, reden und nochmals reden. Beziehungen knüpfen und mit den Menschen reden.“ Das Rhein-Main-Gebiet bietet eine Fülle von Pfunden: ein liberaler, multikulturell gesonnener Menschenschlag, Standortvorteile wie Börse, Flughafen, Messe, Europäische Zentralbank. „Deshalb ist es so wichtig, gemeinsam aufzutreten und die Kleinstaaterei aufzugeben“, sagt Gnadl den Schülern und wiederholt seine Idee eines Regionalkreises.

Was der Landrat noch erreichen will? „Die wahrhaftige Gleichberechtigung, so wie uns das in Norwegen bereits als Selbstverständlichkeit vorgelebt wird“, sagt Gnadl, der sich als Vater von zwei Töchtern wünscht, dass diese nicht alten überkommenen Rollen folgen müssen. Und was noch? „Eine verfasste Rhein-Main-Region, verschiedene Schienenverkehrsprojekte, mehr soziale Gerechtigkeit und gleichberechtigten Zugang zur Bildung. Dafür will ich meinen Beitrag leisten, auch wenn nicht alles in meiner Amtszeit erreicht werden kann.“

Erstellt am: 2006-12-14