Landrat Rolf Gnadl: Keine weitere Zeit bei S-Bahn-Ausbau verlieren
Landrat Rolf Gnadl: Keine weitere Zeit bei S-Bahn-Ausbau verlieren
Mit Erleichterung hat Landrat Rolf Gnadl die Ankündigung der Bahn aufgenommen, parallel zum Planfeststellungsverfahren die Entwurfsplanung für den viergleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke 6 voranzutreiben. "Diese Parallelität haben wir in der Interessengemeinschaft S6 schon seit langem gefordert. Das kann jetzt endlich dazu führen, dass dieses Projekt spürbar vorangebracht wird."
Derzeit wird der Planfeststellungsbeschluss für den S-Bahn-Ausbau noch beklagt. Nachdem die Klage der Stadt Frankfurt gegen einen Bahnübergang außergerichtlich gelöst werden konnte, liegen jetzt noch Klagen von Anwohnern vor, die den Lärmschutz zum Thema haben. Zudem werden die von der Bahn ursprünglich vorgelegten Zugzahlen angezweifelt. Nicht ganz zu Unrecht, wie Landrat Gnadl bemerkt, denn neuere Berechnungen gehen von deutlich höheren Zugzahlen aus. Insbesondere nimmt die Zahl der Nachtzüge von 33 auf 47 zu. „Hier muss unbedingt etwas für aktive Lärmschutzmaßnahmen gemacht werden. Es kann nicht sein, dass die Anwohnerinnen und Anwohner hier das Nachsehen haben.“
Die ersten Anhörungen sollen im kommenden Februar stattfinden. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, hat die Bahn jetzt beschlossen, parallel zum noch nicht abgeschlossenen Klageverfahren die Entwurfsplanung zu erarbeiten. Darüber hinaus soll intern auch die Finanzierung der Maßnahme geklärt werden. „Der Wetteraukreis hat hier für die nächsten Jahre jeweils eine Mio. Euro im Investitionsplan bereitgestellt“, betonte der Wetterauer Landrat.
Gnadl, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Rhein-Main-Verkehrsverbundes ist, erinnerte noch einmal an das Projekt „Frankfurt 21“, nämlich die Untertunnelung der Frankfurter City, die zu einer Verzögerung des Ausbaus der S6 um mindestens fünf Jahre geführt hat. „Ich bin froh, dass dieses Thema jetzt vom Tisch ist und hoffe, dass der Wetteraukreis bei den Planungen der Bahn stärkere Beachtung findet.“ In den vergangenen Jahren wurde westlich, südlich und östlich von Frankfurt kräftig investiert. „Dabei war es der Wetteraukreis, der in den vergangenen Jahren den stärksten Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hatte. Hier brauchen wir dringend attraktive Angebote für einen guten öffentlichen Personennahverkehr, damit die morgendliche Autolawine nach Frankfurt eingedämmt werden kann.“
Der Wetterauer Landrat sprach sich für eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt aus. „Wir können kein Planfeststellungsverfahren gegen die Stadt Frankfurt durchführen, sondern müssen die berechtigten Interessen der Stadt sowohl in Fragen des Verkehrs als auch des Lärmschutzes aufnehmen.“
Der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt/West und Frankfurt/Hauptbahnhof ist auch vor dem Hintergrund der bestellten Mehrleistungen der Regionalbahnstrecke 34, Frankfurt –Stockheim (Niddertalbahn), relevant. „Ab dem übernächsten Jahr werden hier jährlich 260.000 zusätzliche Zugkilometer erbracht. Dabei ist die Durchbindung der Niddertalbahn bis Frankfurt Hauptbahnhof auch während der Hauptverkehrszeiten besonders wichtig.“
Zusätzliche Gleise auch für Niddertalbahn notwendig
Gnadl sprach sich zudem für den Bau eines Stichgleises am Bahnhof Bad Vilbel aus. „Damit können wir Tagesausflüglern, die mit der S-Bahn nach Bad Vilbel und von dort aus weiter mit dem Vulkanexpress noch Stockheim fahren, das Umsteigen auf einem Bahnsteig ermöglichen.“
Erfreulich sei für den Wetteraukreis auch die Perspektive des viergleisigen Ausbaus der S-Bahnstrecke bis zur Kreisstadt Friedberg. „Dieser Ausbau ist für die Anliegerkommunen und für den gesamten Wetteraukreis von großer Bedeutung.“ Die Kosten für den viergleisigen Ausbau bis nach Friedberg werden auf rund 165 Mio. Euro beziffert. „Der Wetteraukreis würde trotz der schwierigen Haushaltssituation 20 Mio. Euro für diese Baumaßnahme aufbringen. Der Rest wird aus Bundes- und Landesmitteln finanziert.“
Bis es zu einer wirklichen Verbesserung in den engen Pendlerzügen von Friedberg nach Frankfurt kommt, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen. Die Planungszeit beträgt erfahrungsgemäß fünf Jahre. Bis eine solche Maßnahme dann umgesetzt wird, sind weitere fünf Jahre notwendig, so dass bei gutem Willen aller Beteiligten im Jahre 2017 die vier Gleise dem Verkehr übergeben werden können“, hofft der Wetterauer Landrat.
Erstellt am: 2006-12-07
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